Kommentar: Wir müssen vergessen (dürfen)

Es gibt in unserem Land ein gewisses Klientel. Dieses Klientel kommt zu spät zur Schule, macht im Unterricht nicht mit, stört den Unterricht, beleidigt oder gar attackiert Lehrer, interessiert sich nicht für ihre Zukunft; um es kurz zu machen: Sie können sich nicht benehmen. Sie halten den Betrieb auf, verschwenden Ressourcen die man anderweitig verwenden könnte und sind im Endeffekt verlorene Fälle. Sie werden ihr Leben mit großer Wahrscheinlichkeit nicht meistern und am Ende von Hartz IV leben. (Oder im Niedriglohnsektor.)

Wir haben in Deutschland eine Kultur des „nicht zurücklassen“. Des „wir nehmen jeden mit“. Dies ist ja per se nicht schlecht. Manche haben halt schwierige Umstände im elterlichen Haushalt oder Freundeskreis. Man kann nur schwer zu ihnen durchdringen. Bei manchen lohnt sich die Persistenz. Sie „erwachen“ und werden plötzlich aktiv und gestalterisch. Sie besuchen Abendschulen, suchen eine Ausbildung oder besuchen Maßnahmen. Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist nicht alles schlecht daran.

Das Problem jedoch ist folgendes: Sie wollen es nicht. Dieses Klientel interessiert sich null für das was unsere Gesellschaft verlangt. Auch wenn ich es ungern sage, aber: Wir sind eine Leistungsgesellschaft. Wir fordern Leistung. Und jeder kann das für sich selbst ausmachen. Manche arbeiten in einem Betrieb, andere studieren, andere engagieren sich. Hier kommt es zu einem Dilemma. Wie gehen wir mit solchen Menschen um? Was tun wir mit ihnen? Ich denke es muss Schluss sein mit Kuschelpädagogik.

Dieses Klientel verdient die Aufopferung von Lehrern nicht. Weder ihre Zeit, noch deren Geduld, oder deren Versuch durchzudringen. Wir bräuchten eine andere Art von Pädagogik. Wir sollten uns auf die fokussieren, die es auch wirklich wollen. Bei den Meisten ist der Zug sowieso schon abgefahren. Sollen dieses Klientel doch tun was sie will. Sie wird selber sehen wie weit sie kommt. Anstatt zu versuchen ihnen zu helfen sollte man ihnen die Realität spiegeln.

Man wird ihnen nur noch erklären, dass sie im Leben nichts erreichen werden. Dass sie von Hartz IV leben werden. Dass sie auf ewig im Dunstkreis von Niedriglohn und Ämtern dahinleben müssen. Ich versuche es so klar wie möglich zu kommunizieren. Sie sind die Versager der Gesellschaft. Vielleicht werden sie eben dadurch wach und werden aktiv. Vielleicht ist mein Vorschlag gar produktiver als das jetzige Modell. Wer weiß was man noch machen könnte.

Wie wäre es mit mehr Sozialarbeitern? (Die wir so oder so brauchen.) Vielleicht mit einer Sitzung beim Therapeuten, der die Situation aus der psychologischen Sicht heraus analysiert? Man darf mich nicht falsch verstehen. Es ist nicht so, dass ich das wirklich will; das vergessen. Ich bin einfach nur Realist. Wenn die nicht wollen, sollten wir sie auch nicht zwingen. Punkt ist: Wir sollten denen helfen, die es wollen. Wir sollten dem Klientel klar machen, das niemand auf sie wartet. Wir müssen vergessen dürfen.

Lauf mit mir. 

Published by N. Burg

N. Burg is a writer. He discovered his passion for writing at the age of 17. Since then he wrote a vast body of work. He also likes reading, cats, the manga One Piece, and thinking.

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