Kommentar: Warum ich Perry Rhodan (hass)liebe

„Good stories, but not good stoytelling.“
„Es sind gute Handlungen. Aber nicht gutes Geschichten erzählen.“

Ich würde mich nicht per se als Fan von Perry Rhodan outen. Das obrige Zitat fasst es aber ziemlich gut zusammen. Wichtiges vorweg: Ich habe nicht viel von Perry Rhodan gelesen. Ich habe ein wenig den Stardust-Zyklus, sowie den Jenzeitigen Lande-Zyklus verfolgt. Ich fand die Ideen als die kreativsten die ich je gesehen habe. Leider hat mich die Struktur, also das eigentliche Erzählen, immer total genervt. Die Probleme liegen hierbei im System an sich.

Jeder Zyklus beginnt gleich. Es vergehen ein paar hundert Jahre seit dem letzten Zyklus und alles versuchen wieder die Dinge in Ordnung zu bekommen. Die Menschheit berappelt sich und alles scheint als gäbe es keine Probleme. Dann taucht ein Wesen, Objekt oder Anomalie in der Hyperphysik auf und Perry Rhodan beginnt zu agieren. An sich ist der immer gleiche Anfang nicht schlimm. So beginnt man nunmal eine gute Handlung. Es gibt Mysterien, Ambivalenz, Rätsel und alles muss aufgedeckt werden. Das ist aber nur der Anfang. Jetzt beginnen auch schon die Probleme. 

Problem 1: Die Struktur der Hefte. 

Jedes Heft hat dieselbe nervtötende Struktur. Am Anfang werden die Nebenfiguren eingeführt, die nur in diesem Heft benutzt werden. Das Problem ist, das Figuren, die nicht zur Haupthandlug gehören, einfach blass und irrelevant sind. Ich kann weder eine Beziehung zu ihnen aufbauen, noch kann ich die eigentlich Haupthandlug genießen, wenn man andauernd neue Figuren einführt. Es ist einfach kontra-produktiv und stört den Fluss der eigentlichen Handlung. Dazu kommt die Eigenart, die eigentlichen Handlungspunkte immer auf das Ende eines Heftes zu verlagern. Meistens wird nur beraten und diskutiert, bis dann am Ende ganz plötzlich ein Tod vorkommt oder ein Unfall. Gute Fiktion ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Man muss gefesselt werden und am Ball bleiben. Bei Perry Rhodan herrscht gähnenden Langeweile, bis am Ende irgendwas meist nur milde aufregendes passiert. 


Problem 2: Die Struktur der Zyklen

Sie sind einfach zu lang. Gute Fiktion ist komprimiert und sehr „dense“, also kompakt und fest verzahnt. 100 Hefter sind einfach zu lang. Man bläht die wenigen Handlungspunkte auf und dann muss man als Leser warten und warten bis irgendwann Mal was passiert. Dann hoppelt man von Handlungsbogen zu Handlungsbogen und wird nie wirklich konkret. Es gibt vielleicht 5 Handlungspunkte (plot points) pro Zyklus. Entweder ein Gegenstand wird gesucht oder eine einzige Figur stirbt. Das ist einfach zu wenig. Gute Fiktion hat locker 5 bis 10 Handlungspunkte pro Heft. Dort überschlagen sich die Ereignisse. Davon kann bei Perry Rhodan nie die Rede sein. Wenn man Pech hat ziehen sich die Handlungspunkte über die Zyklen hinaus. (Siehe: Weltenbrand). Wenn die Zyklen nur 30 Hefte oder nur 25 Hefte lang wären, könnte sie super spannend und aufregend aufgebaut sein, anstatt über duzende von Heften die Figuren von A nach B reisen zu lassen. 

Problem 3: Die Struktur der Figuren

Harry Potter hat dutzende. One Piece hunderte. A Game of Thrones tausende. Perry Rhodan hat eine Handvoll. Die Rede ist von Hauptfiguren. Es ist im Endeffekt egal wie viel Figuren ein Universum hat. Hauptsache ist, das es mehr als fünf sind. Ja, in Perry Rhodan gab es ebenfalls tausende Figuren im Verlauf der letzten 50 Jahre. Ich rede allerdings von Hauptfiguren. Dort gibt es Gucky, Perry, Atlan, Icho und Reginald. (Und noch ein paar mehr.) Das Problem ist die Monotonie die dabei aufkommt. Wie soll es denn spannend werden, wenn man immer den gleichen Figuren folgt? Oder wie soll es spannend werden, wenn die neu eingeführten Figuren sofort wieder verschwinden? Gute Fiktion hat immer eine Reihe von primären, sekundären und teritären Figuren. Mal gibt es eine Figure die wieder auftaucht, oder Mal kommt eine weniger wichtige Figur aus dem Hintergrund und wird wichtig. Dazu kommt die fehlende Diversität. (Nicht im Sinne von Religion und Hautfarbe.) Es gibt Menschen, Aliens, Superintelligenzen und das Leben hinter der Materie. Ja, es gibt das Zwiebelschalenmodell. Nur leider tauchen so gut wie nie Figuren daraus auf. Es gibt nur Menschen, Aliens, Superintelligenzen und das wars. Hier sollte man mal ausbauen und auffrischen, damit es mal etwas ausgebautes und frisches gibt.

Abschließend kann ich nur meine Aussage vom Anfang wiederholen: Gute Geschichten, schlechtes Geschichten erzählen. Die Expose-Autoren sind hochkreativ. Die Autoren talentiert. Leider wird das nicht in konkrete Bahnen gelenkt. Leider plätschert alles vor sich hin und es wird selten spannend. Ich will niemandem Perry Rhodan madig machen. Ich bin selber Geschichtenerzähler und habe aus eben jener Perspektive argumentiert. Es ist nicht schlecht, aber gut, ist es auch nicht. 

Lauf mit mir. 

Published by N. Burg

N. Burg is a writer. He discovered his passion for writing at the age of 17. Since then he wrote a vast body of work. He also likes reading, cats, the manga One Piece, and thinking.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d bloggers like this: